19. Januar 2017

EÖ Künstlerhaus Stuttgart: Fr, 102.17 19h - Dorota Jurczak, Johanna



Dorota Jurczak, Johanna
Eröffnung Freitag, 10. Februar, ab 19 Uhr
They were two superior eels
at the bottom of the tank and they recognized each other like italics1


Die menschlichen und nicht menschlichen Figuren, die Dorota Jurczaks Bildwelt bevölkern, verbindet eine freimütige und zugleich geheimnistuerische Stimmung, die sich auch als Unbehagen äußern kann. Diese Ausstellung zeigt neu konzipierte Radierungen und Bronzereliefs, die ihren Ausgangspunkt in den Werkstätten des Künstlerhauses haben und als Installation inszeniert sind.

Zwei zentrale Gestalten der Ausstellung sind der dünne Umriss eines Jungen und eines Mädchens, die neben einer halb offenen – beziehungsweise halb geschlossenen – Tür stehen und den Türknauf fest in ihren Händen halten. Die lebensgroßen Bronzereliefs sind an der unbeholfenen Schwelle zwischen Warten und Eintreten gefangen. Sie sehen einander nicht – die Figuren haben keine Augen, doch die fein modellierten Türknäufe scheinen die Blicke der Betrachter zu erwidern. Es gibt da eine Spannung zwischen dem Wunsch zu kommunizieren und dem Wunsch sich zu verstecken, die in den beiden Skulpturen, aber auch in der Figuration der Radierungen zum Vorschein kommt. Dazwischen gibt es keinen einzigen Ort, an dem deren Wesen als solches auszumachen wäre; stattdessen entsteht eine zarte Ebene der Verständigung. Mit ein und derselben Sorgfalt werden ein Vogel, eine Brust und die beiden dünnen Gestalten mit den langen Händen als Charaktere behandelt. Jurczaks Figuration deutet an, wie viel, oder vielleicht wichtiger noch, wie wenig es braucht, um den Geist und die Eigenheiten eines Wesens heraufzubeschwören.

„Johanna“ wird zur Chiffre oder Hülle einer möglichen Figur; gleichzeitig verweist der Vorname auf die damalige Radierwerkstattleiterin des Künstlerhauses. Johanna, diese Johanna, ist eine Reflexion über die fiktionale Möglichkeit und Melodie eines Namens und zugleich eine Erinnerung an den körperlichen und kollektiven Prozess, der die Entstehung der Charaktere überhaupt erst ermöglichte.

1 Anne Carson, Autobiography of Red, 1998

Dorota Jurczak (geb. 1978 Warschau, Polen) lebt und arbeitet in Stuttgart. Zu ihren letzten Einzelausstellungen zählen: ~.{ }.~, Culturgest, Lissabon und Porto (2016); Lucifers, Etablissement d’en face, Brüssel und Bzzz, Galeria Piktogram, Warschau (2015); Kloake, Corvi-Mora, London (2011). Eine Auswahl an Gruppenausstellungen schließt ein: Affective Affinities, Frans Hals Museum, De Hallen Haarlem (2014); Salon der Angst, Kunsthalle Wien; A Top-Hat, a Monocle, and a Butterfly, Etablissement d'en face, Brüssel; The Slimy Trail of Slug and Snail, P.S.1 MoMA, New York (mit Abel Auer) (2007) und Von Mäusen und Menschen, 4. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst, Berlin (2004). 
 
Quelle:
Künstlerhaus Stuttgart
Reuchlinstraße 4b
D–70178 Stuttgart

www.kuenstlerhaus.de

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